Montag, 6. Januar 2014

Rezension Es wird keine Helden geben von Anna Seidl





  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Oetinger (20. Januar 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre

  • Kurzbeschreibung: Berührend, fesselnd, unfassbar: Wenn nichts mehr ist, wie es war. Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt - aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe? Das großartige Debüt von Anna Seidl, die erst 16 Jahre alt war, als sie diese aufwühlende Geschichte geschrieben hat: eine intensive Auseinandersetzung mit den Folgen eines Amoklaufs für die Überlebenden, mit Schuld und Trauer, schonungslos erzählt.

    Quelle: Oetinger


    Meine Meinung:
    Diese Rezension ist aus meinen tiefsten und privatesten Gefühlen heraus geschrieben und höchst subjektiv. Wem das nicht passt oder als eine Rezension für diverse Plattformen als nicht geeignet ansieht, möge sie bitte nicht lesen oder bewerten.

    Ich habe lange nicht mehr geweint als ich ein Buch gelesen habe. Schon auf den letzten Seiten, aber vor allem als ich das Buch zugeschlagen und darüber nachgedacht habe, kullerten die Tränen nur so über mein Gesicht. Ich denke vor allem die Umstände unter denen ich dieses Buch gelesen habe, tragen dazu bei. Zunächst einmal lese ich solche Bücher, bei denen schwere Schicksalsschläge die Protagonisten prägen, nicht, da ich so schon immer voller Gefühl bin und mich sowas sehr mitnimmt. Zweitens, es war Weihnachten, das Fest der Liebe und der Familie. Drittens ich bin frisch verliebt und seit ca. 1 Monat mit meinem Freund zusammen.

    Und dann lese ich am Tag der größten Liebe und Geborgenheit dieses Buch, in dem ein 15-jähriges Mädchen bei einem Amoklauf an ihrer Schule hautnah dabei ist und sieht wie ihr Freund erschossen wird. Sie hilft ihm nicht und denkt an erster Stelle an sich selbst. Fast das ganze Buch über macht sie sich Vorwürfe und gibt sich die Schuld, sowohl für den Tod ihres Freundes Tobi als auch für den Amoklauf des Mitschülers Matias, den sie zuvor öfters gemobbt und beleidigt hatte. Schon ab den ersten Seiten merkt man mit einem beklemmenden Gefühl im Herzen, wie leer und verloren und vor allem wie traurig und verzweifelt sich Miriam fühlt. Sie kann nicht handeln, nicht denken, nichts fühlen.

    Vor allem im Schreibstil fühlt man ihre kurzen, knappen Gedanken, die so voller Trauer und Angst und Verzweiflung geprägt sind, dass ich oft schlucken musste. Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ich plötzlich meinen Freund verlieren würde. Ein großes dickes Loch würde in meinem Herzen verbleiben, das all die Leere über meinen Körper versprüht. Ich wüsste aber nicht, was ich tun würde und ich muss ehrlich sagen, dass ich mir über solche grausamen Dinge selten einen Kopf mache. Dabei zeigt uns Anna Seidl ungeschminkt die nackte Wahrheit sowohl über das Verhalten während des, als auch nach dem Amoklauf/s. Sie deckt auf, dass es keine Helden gibt, dass du niemanden rettest, wenn das eigene Leben auf dem Spiel steht. Jeder denkt zuerst an sich selbst. Und wer das nicht glaubt, der liegt falsch.

    Miriam braucht sehr lange um überhaupt irgendjemand an sich heranzulassen. Sie wird zu einer Psychologin geschickt, von der sie erst einmal behauptet, dass sie sie nicht braucht und beschwert sich, dass sie für ihr Gelaber auch noch Geld bekommt. Mir als Psychologiestudentin hat das etwas wehgetan, aber ich verstehe Miriam und im Laufe des Buches versteht auch sie selbst, dass die Menschen um sie herum nur ihr Bestes und ihr helfen wollen. Alles passiert langsam, schrittweise und mit Hilfe der Familie und Psychologen. Dieser Vorgang, in dem Miriam wieder etwas Leben in sich hinein lässt und weiß, dass es anders nicht weitergehen kann und sie lernen muss damit klar zu kommen ist auf wirklich berührende Weise aufs Papier gebracht worden. Der Schreibstil, der zu Beginn noch von kurzen, zweisilbigen Sätzen geprägt war, verändert sich, wird länger, freundlicher und lebendiger.

    Anna Seidl zeigt dem Leser, dass das Leben immer weitergeht. Dass man leben soll und dass es Momente im Leben gibt, die schrecklich sind, aber auch immer wieder Momente, die dich glücklich machen. Du musst dich auf das Leben einlassen und den Moment genießen. Du musst dich aufrappeln und Menschen Vertrauen schenken, wenn du am Boden liegst und ein Loch in deinem Herzen klafft. Ich habe meinem Freund direkt nach dem Buch eine SMS geschickt und ihm gesagt, dass er mir sehr fehlt und dass ich ziemlich geweint habe, nachdem mir Anna Seidl gezeigt hat, wie das Leben aussieht, wenn so wichtige Menschen sterben.

    Fazit                                                                                                                                                                 

    Ich denke ich werde solche Bücher nicht mehr lesen, da sie mir im Herzen sehr wehtun. Es hat mich so sehr berührt und war so realitätsnah, dass ich es zu nah an mich herangelassen habe. Das ist nichts Schlechtes, aber es tut einfach so sehr weh. Ich möchte mir aber trotzdem nicht so viele Gedanken darüber machen, was ich tun würde, wenn es passiert oder andere schreckliche Dinge. Man muss das Leben nehmen, wie es kommt und nicht ständig darüber nachdenken, was man dann tun würde, denn auch ein Leben in Angst und Kummer bereitet keine Freude.
    5/5
    Danke Oetinger !

    Kommentare:

    1. Hallo Liss,

      wow, was für eine emotionale Rezension :-)
      Außer Traurigkeit erfährt man beim Lesen solcher Bücher aber auch eine Menge an Zuversicht und Hoffnung. Und wenn diese Geschichte nur einen Leser davon abhält, in der Schule oder sonstwo, einen anderen Menschen zu verletzen, ist es meiner Meinung nach schon ein Gewinn.

      Liebe Grüße
      MacBaylie

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      1. Hey,
        ja da hast du Recht. Man merkt, dass es auch klappen kann nach so einem einschlagenden Ereignis und gibt Menschen Hoffnung. :)

        Liebe Grüße ♥

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    2. Tolle Rezension :) das Buch wandert gleich auf meine WuLi ♥
      Liebe Grüße
      Nasti ♥
      Http://bowsandfairytales.blogspot.de

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      1. Danke. Klingt gut. Ist ein echt berührendes Buch.
        LG ♥

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